Die Wahl der Franchise ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei Ihrer Krankenkasse — und eine der am häufigsten falsch getroffenen. Je höher die Franchise, desto tiefer die Prämie. Aber wer viel Gesundheitskosten hat, zahlt mit hoher Franchise am Ende mehr.
Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihren persönlichen Break-Even-Punkt berechnen, welche Franchise für welches Profil ideal ist, und welche Fehler Sie bei der Franchise-Wahl unbedingt vermeiden sollten.
Franchise-Stufen im Überblick
In der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KVG) beträgt die ordentliche Franchise für Erwachsene CHF 300 pro Jahr (Art. 103 Abs. 1 KVV). Zusätzlich wählbar sind fünf höhere Stufen (Art. 93 Abs. 1 KVV):
| Franchise | Gesetzlicher Höchstrabatt/Jahr | Max. Eigenanteil/Jahr |
|---|---|---|
| CHF 300 (ordentliche Franchise) | — (Referenz) | CHF 1'000 |
| CHF 500 | CHF 140 | CHF 1'200 |
| CHF 1'000 | CHF 490 | CHF 1'700 |
| CHF 1'500 | CHF 840 | CHF 2'200 |
| CHF 2'000 | CHF 1'190 | CHF 2'700 |
| CHF 2'500 (Maximum) | CHF 1'540 | CHF 3'200 |
Selbstbehalt: die zweite Kostenschwelle
Neben der Franchise tragen Sie einen Selbstbehalt von 10% der Kosten, die Ihre Franchise übersteigen. Dieser ist nach Art. 103 Abs. 2 KVV auf maximal CHF 700 pro Jahr für Erwachsene begrenzt (Kinder: CHF 350). Bei der ordentlichen Franchise von CHF 300 ist dieser Höchstbetrag bei Behandlungskosten von CHF 7'300 pro Jahr erreicht; bei höheren Wahlfranchisen liegt diese Schwelle entsprechend höher.
Break-Even berechnen: Die Formel
Der Break-Even-Punkt ist die Schwelle, ab welcher sich eine höhere Franchise nicht mehr lohnt. Die Faustformel:
Konkret: Wer von CHF 300 auf CHF 2'500 wechselt und den gesetzlichen Höchstrabatt von CHF 1'540 erhält, fährt bis zu Gesundheitskosten von rund CHF 2'000 bis 2'200 pro Jahr besser — darüber wird die tiefe Franchise günstiger. Liegt Ihr realer Rabatt tiefer, sinkt auch diese Schwelle.
Welche Franchise für welches Profil?
CHF 300 (Minimum) — für chronisch Kranke und Familien mit Kindern
Die tiefste Franchise lohnt sich, wenn Sie absehbar hohe Gesundheitskosten haben: laufende Medikamente, regelmässige Arztbesuche, anstehende Operationen, chronische Krankheiten. Auch bei kleinen Kindern mit häufigen Erkältungen oft sinnvoll.
CHF 500-1'000 — für Durchschnittsnutzer
Mittlere Franchise für Menschen, die etwa 1-3 mal pro Jahr zum Arzt gehen, gelegentlich Medikamente benötigen, aber keine chronischen Probleme haben. CHF 500 ist oft die sicherste Wahl bei unklarem Profil.
CHF 2'500 (Maximum) — für Gesunde mit Reserven
Nur sinnvoll wenn Sie typischerweise unter CHF 2'000 Gesundheitskosten pro Jahr haben und finanziell das Risiko eines teuren Unfalls oder einer plötzlichen Krankheit tragen können. Ideal für Junge, Sportliche, Selbstständige mit Rücklagen.
Beispielrechnung: Ehepaar, beide gesund
Ehepaar Müller, beide 35 Jahre, gesund. Die folgenden Prämien sind Richtwerte zur Illustration, keine recherchierten Tarife eines bestimmten Versicherers:
- Franchise CHF 300: rund CHF 480/Monat pro Person → CHF 5'760/Jahr pro Person
- Franchise CHF 2'500: höchstens rund CHF 352/Monat pro Person → CHF 4'220/Jahr pro Person
- Ersparnis: maximal rund CHF 1'540 pro Jahr und Person — das ist der gesetzliche Höchstrabatt nach Art. 95 Abs. 2bis KVV, mehr ist nicht zulässig
- Für das Paar also höchstens rund CHF 3'080 pro Jahr
- Break-Even pro Person: ab rund CHF 2'000-2'200 eigenen Gesundheitskosten pro Jahr wird die Franchise CHF 300 wieder günstiger
Franchise-Wechsel: Wann und wie?
Eine höhere Franchise gilt erst ab dem folgenden 1. Januar (Art. 94 Abs. 1 KVV). Für den Wechsel zu einer tieferen Franchise oder zu einem anderen Versicherer gelten die Kündigungsfristen von Art. 7 KVG. Weil die neuen Prämien spätestens Ende Oktober kommuniziert werden, muss der Wechsel in der Praxis bis spätestens 30. November gemeldet werden, damit er per 1. Januar wirksam wird.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Hohe Franchise wählen ohne Rücklagen: Bei plötzlicher Krankheit CHF 2'500 aus der Tasche zu zahlen kann finanziell kritisch sein. Mindestens 3 Monatslöhne als Puffer empfohlen.
- Franchise nach einem einzigen guten Jahr erhöhen: Nur weil ein Jahr keine Kosten anfielen, heisst das nicht, dass nächstes Jahr genauso läuft. Trend über 3 Jahre betrachten.
- Franchise-Rabatt und Modell-Rabatt verwechseln: Der Prämienrabatt durch die Franchise ist nicht dasselbe wie ein HMO- oder Telmed-Rabatt — beide können aber kombiniert werden.
- Kinderfranchise ignorieren: Kinder haben standardmässig keine Franchise (CHF 0). Optional wählbar sind CHF 100, 200, 300, 400, 500 oder 600 (Art. 93 Abs. 1 KVV); der maximale Selbstbehalt für Kinder beträgt CHF 350 pro Jahr.
- Ersparnis nicht zur Seite legen: Wer jährlich über CHF 1'000 spart, sollte diese auf ein separates Konto legen — sonst fehlt das Geld, wenn die Rechnung kommt.
Checkliste: Ihre optimale Franchise
- Gesundheitskosten der letzten 3 Jahre summieren (Rechnungen aus der Kassen-App)
- Durchschnitt pro Jahr berechnen und mit der Break-Even-Schwelle vergleichen
- Finanziellen Puffer prüfen (3 Monatslöhne Minimum für eine hohe Franchise)
- Chronische Diagnosen oder geplante Behandlungen dokumentieren
- Den real offerierten Rabatt prüfen — nicht den gesetzlichen Höchstwert unterstellen
- Bei Unsicherheit → CHF 500 als konservative Wahl
- Antrag bis 30. November an die Krankenkasse senden
Weiterführende Artikel
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Fazit
Die optimale Franchise hängt von Ihrem Gesundheitsprofil, Ihrer finanziellen Reserve und Ihrer Risikobereitschaft ab. Rechnen Sie Ihren Break-Even aus, berücksichtigen Sie die letzten 3 Jahre Gesundheitskosten, und wählen Sie konservativ wenn Sie unsicher sind. Der mögliche Gewinn ist gesetzlich begrenzt, das Risiko nicht — jährlich überprüfen lohnt sich.
Quellen
- Fedlex — Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), Art. 93, 94, 95 und 103 (Franchisenstufen, Prämienrabatt, Selbstbehalt)
- Fedlex — Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 7 (Kündigungsfristen)
- Priminfo (BAG) — offizieller Prämienvergleich (aktuelle Prämien pro Kanton, Modell und Franchise)